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Rheologische Eigenschaften von Malfarben aus Pigmenten, Öl und Ei

Rheologische Eigenschaften von Malfarben aus Pigmenten, Öl und Ei
type:Master- oder Bachelorarbeit
time:nach Vereinbarung
tutor:

Prof. Dr. Norbert Willenbacher

In Zusammenarbeit mit den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Doerner Institut München

 

Aufgabenstellung

Eine Malfarbe besteht aus den farbigen Pigmenten sowie einem Bindemittel, welches die Pigmente zusammenklebt und auf der Grundierung hält. Historisch sind Ei und Öl (vor allem Leinöl, z.T. mit Harzen verkocht) die wichtigsten Bindemittel. Für die Malerei ist entscheidend, wie die Malfarben fließen, d.h. wie sie sich auftragen lassen (oder eben nicht). Klassisch wird zwischen Ölmalerei und Temperamalerei (mit wässrigen Bindemitteln, meist Ei) unterschieden. Moderne Analysen an Gemäldeproben zeigen aber, dass z.B. Ölfarben oft auch Ei enthalten. Es besteht die Vermutung, dass Eianteile in Ölfarben gemischt wurden (oder umgekehrt), um die rheologischen Eigenschaften der Malfarben gezielt zu variieren und den Bedürfnissen des Künstlers anzupassen. Sollen die Farben zerfließen um möglichst glatt und porzellanartig zu erscheinen oder soll der Pinselduktus erhaben stehen bleiben um Stoffe oder Hautstrukturen zu imitieren oder Glanzeffekte durch unebene Oberflächen zu erreichen?

 Da rheologische Konzepte in der kunsttechnologischen Forschung praktisch unbekannt sind, muss in diesem Bereich Grundlagenforschung betrieben werden.

Im Rahmen der Arbeit sollen die rheologischen Eigenschaften von Malfarben aus einem Pigment und variablen Anteilen von Öl und Ei (und Wasser oder Terpentinöl) untersucht werden. Im Vordergrund stehen dabei die Bestimmung der Viskositästfunktion und der Fließgrenze, sowie die Charakterisierung der Thixotropie in Abhängigkeit von der Bindemittelzusammensetzung.

Es soll die Frage beantwortet werden, ob sich die gemessenen rheologischen Daten mit den haptischen und makroskopischen Eigenschaften der Malfarben beim Pinselauftrag korrelieren? Wie beeinflussen Thixotropie und Fließgrenze das in der Abbildung unten sichtbare unterschiedliche Zerfließen der Farben?

 Als Modellsysteme sollen Malfarben dienen, die entweder aus Zinkweiß oder Ultramarin mit Ei und Öl angerieben werden. Untersucht werden sollen vor allem drei Systeme:

1. Pigmente werden mit Ei, Wasser und variablen Ölanteilen verrieben, es entsteht eine Öl-in-Wasser-Emulsion.

2. Pigmente werden erst mit etwas Ei angerieben und über Nacht getrocknet. Die dadurch mit Ei beschichteten Pigmente werden danach mit Öl angerieben.

3. Die Pigmente werden direkt mit Öl angerieben, dieser Ölfarbe werden unmittelbar vor dem Vermalen mit dem Pinsel variable Anteile von Ei oder Wasser zugegeben. Letzteres führt zu einer starken Versteifung der Malfarbe, die vermutlich auf Kapillarkräfte zurückzuführen ist.

  

Abb. 1:

Aufstriche von Malfarben aus Bleiweiß, Leinöl und Eigelb:

reine Ölfarbe (oben links)

wässrige Eigelbtempera (unten links)

Ölfarbe mit Ei-beschichtetem Pigment (oben rechts)

Ölfarbe mit Eigelb (unten rechts)

 

Die Materialien (Pigmente, Läufer, Pinsel etc.) werden vom Doerner Institut zur Verfügung gestellt, das Anreiben geschieht in Zusammenarbeit mit einem Mitarbeiter des Doerner Instituts.

 

Art der Arbeit: Master- oder Bachelorarbeit

Beginn:  nach Vereinbarung

Betreuer: Prof. Dr. Norbert Willenbacher